Nick Kyrgios feiert bei den Miami Open sein ersten Tour-Sieg seit 2022 

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So manch ein Tennisfan hat sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren gefragt, warum Nick Kyrgios eigentlich dauerhaft im Gespräch geblieben ist – schließlich hatte er seit dem Turnier in Tokio im Oktober 2022 nur vier Matches auf der ATP-Tour bestritten und keins davon gewonnen. Nun meldete sich der polarisierende Australier in Miami aber auch wieder sportlich und nicht nur mit kontroversen Aussagen zurück: Nach einem knappen 3:6, 6:3, 6:4-Sieg gegen den US-Amerikaner Mackenzie McDonald steht Kyrgios in der zweiten Runde des Masters-1000-Turniers in Florida.

Ich hätte nie gedacht, dass ich wieder Tennis auf diesem Niveau spielen und Matches gewinnen würde. Das ist ein ziemlich großer Moment in meiner Karriere.

…erklärte Kyrgios im Anschluss an seine Partie am Mikro von Tennis Channel. Und die Aussichten standen vor dem Turnier wirklich nicht gut: Noch vor knapp zwei Wochen, kurz vor seinem Start in Indian Wells, fasste er sich im Training wieder an das rechte Handgelenk – ausgerechnet an das Handgelenk, das 2023 nach einer schweren Verletzung „komplett rekonstruiert“ werden musste, wie der Australier selbst sagt. Die Aufgabe in der ersten Runde von Indian Wells gegen Botic van de Zandschulp war also abzusehen.

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Unter dem Einfluss von „ungefähr fünf Schmerztabletten“ ging Kyrgios in Miami aber trotzdem an den Start – und war erst einmal überrascht davon, wie hart die Bälle von McDonald übers Netz flogen. „Ich habe ein bisschen vergessen, wie schnell das Spiel auf diesem Level ist“, offenbarte der Australier im Anschluss an das Match. „Während des ersten Satzes dachte ich mir: Vielleicht bin ich wirklich nicht mehr der, der ich mal war. Vielleicht kann ich es einfach nicht mehr.“

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Nick Kyrgios: "Bin superstolz auf die Arbeit, die ich und mein Team geleistet haben!"

Dass er McDonald im ersten Satz aber einmal breaken konnte, obwohl der Satz insgesamt verloren ging, gab Kyrgios Hoffnung für den Rest des Matches. Und das zurecht: Mit einer Quote von 78 Prozent beim ersten Aufschlag gab er in Satz zwei und drei kein Aufschlagspiel mehr ab. Das brachte letztendlich den ersten Sieg in 896 Tagen für die aktuelle Nummer 892 der Weltrangliste, die in Miami per Protected Ranking antreten kann. Kyrgios freute sich im Gespräch am Tennis Channel Desk, dass er mit dem Sieg die Zweifler ein wenig verstummen lassen konnte. „Ich bin superstolz auf die Arbeit, die ich und mein Team geleistet haben.“

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Die deutsche Nummer eins Alexander Zverev hat vor Turnierstart über die besonderen Vibes in Miami gesprochen, durch die er sich an der Ostküste einfach sehr wohl fühlt. Für Kyrgios scheint es in Florida ähnlich zu laufen:

Ich habe vor dem Turnier erfahren: Miami ist mein erfolgreichstes Masters-Event. Irgendetwas an Miami bringt mein bestes Tennis zum Vorschein. Vielleicht das Nachtleben? Ich weiß nicht, was es ist.

Nächster Gegner auf Kyrgios‘ Weg, seine Zweifler verstummen zu lassen, ist in Runde zwei der an Position 22 gesetzte Russe Karen Khachanov. In ihren letzten beiden Matches sind die zwei jeweils über fünf Sätze gegangen, 2022 im Viertelfinale der US Open zuletzt mit dem besseren Ausgang für den Russen. Auch deshalb stapelt Kyrgios seine Erwartungen erst einmal tief: „Ich werde sehen, wie diese Woche läuft. Werde ich Khachanov schlagen? Wahrscheinlich nicht. Aber ich werde es versuchen und dann werden wir sehen.“

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Für den Rest des Jahres plant der Australier, das meiste aus seinem Protected Ranking herauszuholen und möglichst die gesamte Saison zu spielen: „Ich weiß, dass ich bei den meisten Events wahrscheinlich eine Wildcard bekommen würde, aber ich will anderen nicht ihre Chancen wegnehmen.“ Außerdem müsse er wegen seines Handgelenks ohnehin von Tag zu Tag agieren.

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In den letzten Tagen hatte Kyrgios bereits abseits des Platzes mal wieder für Aufsehen gesorgt: Sein Name steht mit auf der Anklageschrift der Spielerorganisation Professional Tennis Players Association (PTPA), die die PTPA am Dienstag gegen alle großen Verbände des Tennissports eingereicht hatte. Sie wirft dem Internationalen Tennisverband (ITF), der Association of Tennis Professionals (ATP), der Women’s Tennis Association (WTA) und der International Tennis Integrity Agency (ITIA) vor, ein „korruptes, illegales und missbräuchliches System“ zu betreiben.