Auf dem Weg zurück: Dominik Koepfer wurde in den vergangenen Wochen von einigen Verletzungen aus der Bahn geworfen. Mit einem neuen Coach und mit viel Matchpraxis will er sich nun langsam zurückkämpfen.

Es ist fast genau ein Jahr her, dass Dominik Koepfer mit Platz 49 in der Weltrangliste seine persönliche Bestmarke knackte. Er hatte zum Beginn der Saison 2024 den Challenger-Titel in Canberra, Australien, gewonnen. Auf seinem Weg dorthin schlug er Profis wie den ehemaligen Top-Ten-Spieler David Goffin, Gabriel Diallo aus Kanada und das Nachwuchstalent Jakub Mensik im Finale. Wenige Wochen später spielte er sich beim 250er-Turnier in Dallas sowie beim 500er-Event in Acapulco bis ins Viertelfinale. In Miami erreichte er schließlich das Achtelfinale.

Es war eine der Hochphasen des damals noch 29-jährigen Deutschen, der seinen Lebensmittelpunkt aber mit seinem College-Studium auf Florida verlegt hatte.

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Heute, genau ein Jahr später, befindet sich Koepfer in Mainz. Während seine Tour-Kollegen gerade um die Trophäe beim zweiten Masters-Turnier des Jahres in Miami kämpfen, arbeitet der 30-Jährige hauptsächlich im Kraftraum und mit seinem Physiotherapeuten. Der Grund: Während Olympia im August 2024 hatte er sich erneut eine Verletzung an der Schulter zugezogen. Nun folgten Beschwerden am Knie, sodass er eine Zwangspause einlegen und seine geplanten Turniere in San Diego, Indian Wells und Miami absagen musste.

Im Ranking stürzte er daher seit Olympia immer weiter ab, denn auch wenn er Turniere spielte, konnte er keine 100-prozentige Leistung abrufen. Deshalb belegt er heute Platz 147 der Weltrangliste.

Doch nicht nur die Zwangspause seit Mitte Februar, sondern auch eine Umstrukturierung in seinem Team sollen ihm nun helfen, wieder voll und ganz durchzustarten. Im Gespräch mit Tennis Channel DE spricht Koepfer offen über die Herausforderungen und den Druck, die mit seinen Verletzungen einher gehen. Außerdem gibt er Einblicke in die Zusammenarbeit mit Carsten Arriens und die Pläne für sein Comeback nach der Pause.

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Kurz vor den Olympischen Spielen 2024 in Paris verletzte sich Dominik Koepfer in Wimbledon am Knöchel. In Paris selbst folgte dann eine weitere Verletzung am Arm. Im Anschluss musste er bei einigen Turnieren passen.

Kurz vor den Olympischen Spielen 2024 in Paris verletzte sich Dominik Koepfer in Wimbledon am Knöchel. In Paris selbst folgte dann eine weitere Verletzung am Arm. Im Anschluss musste er bei einigen Turnieren passen.

Dominik Koepfer: „Habe schon fünf Wochen kein Tennis gespielt“

Dominik, du musstest in den vergangenen Wochen einige Turniere absagen. Was genau ist passiert und wie ist dein aktueller Zustand?

Letztes Jahr hatte ich mir bei Olympia die Sehne im Arm bzw. Ellenbogen angerissen. Bis zum Ende des Jahres hatte ich deshalb kaum noch gespielt. Beim Turnier in Antwerpen habe ich es noch mal versucht, aber es war immer noch schlecht. Erst im November/Dezember hatte ich dann wieder angefangen, Tennis zu spielen. Dann habe ich meine Off-Season auf Mallorca mit meinem neuen Coach und neuen Physiotherapeuten absolviert. Das lief gut. Körperlich ging es aber von 0 auf 100 und die Patella-Spitze (Anm. d. Red.: im Knie) hat wieder angefangen wehzutun. Trotzdem habe ich in Australien gespielt, vier ordentliche Matches gemacht und dann in der ersten Runde gegen Jordan Thompson verloren.

Danach ging es mir wieder schlechter, am Knie kam noch eine Schleimbeutelentzündung dazu, was richtig wehtut.

In Teneriffa habe ich noch gespielt und dann alles andere abgesagt. Es hätte keinen Sinn gemacht, sich durchzukämpfen mit Schmerzen und ständig mit 6:7 im dritten Satz zu verlieren. Jetzt habe ich schon fünf Wochen kein Tennis mehr gespielt, bin ständig beim Physio und mache Krafttraining.

Bedeutet das, dass du keinen Tennisschläger in die Hand nimmst?

Ich bin fünfmal die Woche im Gym und mache Krafttraining. Das ist immer das Gleiche. Ein bisschen Tennis habe ich aus dem Stand heraus gespielt. Ich habe Schläger getestet und gewechselt, weil ich so viele Probleme mit dem Arm hatte. Seit einer Woche spiele ich jetzt ein bisschen mehr Tennis. Nächste Woche will ich versuchen, wieder normal zu trainieren und danach in Marrakech zu spielen.

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Bei den Australian Open 2025 kämpfte sich Dominik Koepfer durch die Qualifikation. In der ersten Runde schied er dann nach einem Vier-Satz-Match gegen Jordan Thompson aus.

Bei den Australian Open 2025 kämpfte sich Dominik Koepfer durch die Qualifikation. In der ersten Runde schied er dann nach einem Vier-Satz-Match gegen Jordan Thompson aus.

Dominik Koepfer: „Der Ballwechsel jede Woche hilft nicht!“

Das heißt, du spielst jetzt wieder schmerzfrei?

Das Armproblem ist zum Glück behoben, aber das Knie merke ich schon noch. Es ist nicht mehr so schlimm, wie es war. Aber es dauert wahrscheinlich noch zwei bis drei Monate.

Viele Spieler haben in den vergangenen Monaten über Armprobleme geklagt – auch häufig im Zusammenhang mit dem ständigen Wechsel der Bälle. Inwieweit hast du damit Probleme?

Der Ballwechsel jede Woche hilft natürlich nicht. Beispielsweise in Asien im vergangenen Jahr: Es gab vier Turniere und vier unterschiedliche Bälle. Dann kommt der Davis Cup dazu. Das ist nicht leicht, wenn du nur ein oder zwei Tage Zeit hast, mit dem Ball zu trainieren. Es ist eine andere Belastung für den Arm. Es wäre einfacher, wenn alles standardisiert wäre, drei Bälle für die unterschiedlichen Beläge. Ich weiß von Borna Coric und Pablo Carreno Busta, dass sie richtige Probleme hatten. Es ist sowieso schon viel, wenn du 50 Wochen im Jahr Tennis spielst und dann solche Belastungen dazukommen.

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Dominik Koepfer: „Ich muss mir ein bisschen Zeit geben!“

Du bist jetzt im Ranking abgefallen. Wie groß ist der Druck für dich, wenn du auf die Weltrangliste schaust?

Schon vor Indian Wells habe ich gedacht, dass es gut wäre, mal wieder Punkte zu machen. Im vergangenen Jahr konnte ich nur Punkte sammeln bis Miami, weil ich danach wieder verletzt war. Auf Rasen bin ich mit dem Knöchel umgeknickt, dann habe ich mir wieder die Sehne angerissen, dann kam der Ellenbogen. Für mich bedeutet das: Ab nächster Woche sind gefühlt alle Punkte weg. Dann stehe ich wieder auf Platz 200.

Das nervt mich, weil ich weiß, dass ich mich wieder durch die Challenger spielen muss. Aber mittlerweile habe ich es akzeptiert. Ich habe es oft geschafft, mich wieder hochzuspielen.

Erstmal ist es wichtig, dass ich wirklich gesund und fit bin. 70 oder 80 Prozent reichen meistens nicht. Da kann man sich durch zwei Matches kämpfen, aber keine Turniere gewinnen. Wenn ich jetzt gesund werde, dann kommt das Tennis von alleine. Ich muss mir ein bisschen Zeit geben und dann ist das Ranking hoffentlich am Ende des Jahres wieder da, wo ich es haben will.

Wo willst du das Ranking haben?

Das erste Ziel sind die Top 100. Wenn ich gegen Ende des Jahres wieder in den Top 60 stehe, wäre es ein gutes Jahr gewesen. So, wie es die letzten acht Monate seit Olympia gelaufen ist, ist es nicht so leicht: keine Turniere zu spielen, keine Matches zu haben, keine Match-Fitness, gefühlt jeden Tag Krafttraining. Das ist eine andere Belastung, als Matches zu spielen.

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Wegen seines kraftvollen Spielstils und seines Kampfgeistes wurde Dominik Koepfer zwischenzeitlich auch "der Pitbull" genannt.

Wegen seines kraftvollen Spielstils und seines Kampfgeistes wurde Dominik Koepfer zwischenzeitlich auch "der Pitbull" genannt.

Die Challenger-Tour als Sprungbrett

Du hast bereits die Challenger-Tour angesprochen. Welche Bedeutung hat sie für dich, gerade jetzt nach der Verletzung? Und was unterscheidet sie von der ATP-Tour?

Die Challenger-Tour ist ein Sprungbrett, um in die ATP-Turniere reinzukommen. Natürlich kannst du ab einem gewissen Ranking in der Quali bei den ATPs spielen, aber das macht nicht immer Sinn. Bei den Challenger-Events gibt es einige Punkte und es macht einfach einen Unterschied, ob man gegen die 50 oder die 200 der Welt spielt. Das Level ist einfach anders.

Aber ich muss dazu sagen: Das Level bei den Challengers ist mittlerweile richtig gut. Früher war es anders, als ich angefangen habe.

Es ist nicht so leicht, sich da wieder durchzuspielen. Du brauchst einfach einen Lauf. Zwei bis drei gute Turniere reichen meistens beim Tennis, um dich wieder nach oben zu katapultieren. Vor zwei Jahren stand ich im Ranking bei 280. Mit zwei Challenger-Turnieren konnte ich mir ein bisschen Selbstvertrauen erspielen und dann lief es bei den ATPs automatisch. Matchpraxis ist auf den Challengers definitiv leichter zu sammeln als bei den ATPs.

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Dominik Koepfer: Neustart mit neuem Coach und Physio

Ende vergangenen Jahres hast du dein Team umstrukturiert. Wie kam es zu der Entscheidung?

Ich wollte etwas ändern, weil ich in den letzten Jahren so viele Verletzungsprobleme hatte, bzw. kein einziges Jahr durchspielen konnte. Ich musste also etwas anderes ausprobieren. Ich wollte mich professioneller aufstellen mit einem Athletik-Coach und einem Vollzeit-Physio. In Deutschland habe ich jemanden gefunden. Und nachdem Struffi im Sommer die Zusammenarbeit mit Carsten Arriens beendet hatte, gab es die Option für mich, mit ihm zu arbeiten. Mitte, Ende Oktober haben wir uns zum ersten Mal getroffen und es hat gut geklappt. Ich wollte etwas Neues ausprobieren. Naja, so jung bin ich auch nicht mehr, spiele vielleicht noch vier bis fünf Jahre, wenn mein Körper das mitmacht. Deswegen habe ich mich dazu entschieden.

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Dominik Koepfer: „Ich war vorher nicht unfit, aber jetzt bin ich auf einem anderen Level!“

An was arbeitet ihr gemeinsam?

Das ist jetzt schwer gewesen, weil ich dauernd verletzt bin. Deshalb konnten wir auf dem Platz noch nicht viel machen. Mit meinem Physio bzw. Athletiktrainer ist es im Vergleich zum vergangenen Jahr sehr intensiv geworden.

Ich würde nicht sagen, dass ich vorher unfit war. Aber ich habe jetzt das Gefühl, dass ich auf einem anderen Level bin. Auch Carstens Training ist sehr intensiv.

Er hat den genauen Plan, was er sich vorstellt, wie ich spiele, wie ich mich auf dem Platz verhalte, was mein Mindset ist. Das sind neue Inputs, die ich noch nicht kenne. Natürlich bremst die Verletzung das jetzt aus. Aber ich bin mir sicher, wenn wir ein paar Wochen gesund miteinander verbringen, dass noch ein paar gute Turniere dabei rauskommen.

Dein Trainingsschwerpunkt und Lebensmittelpunkt waren in Florida. Hat sich das durch einen deutschen Coach und deutschen Physio nun verändert?

Aufgrund meiner Verletzung und der Physio-Thematik bin ich aktuell in Mainz. Carsten kommt dann manchmal hier her. Er kommt aus Köln und da sind nicht so viele Trainingspartner. Aber wenn ich wieder gesund bin und viele Turniere spiele, bin ich wieder viel am Reisen. Wahrscheinlich verbringe ich jetzt ein bis zwei Wochen mehr in Deutschland als die letzten Jahre.

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Tennis Channel Bundesliga HotShot: Dominik Koepfer für TK GW Mannheim

Dominik Koepfer: Deshalb spielt er gerne Bundesliga

Wenn du nun minimal häufiger in Deutschland bist, spielst du weiterhin Bundesliga?

Ja, ich spiele nach wie vor für Mannheim. Das ist aber etwas abhängig vom Zeitplan, wie es eben passt. Bei den Frauen in der Bundesliga ist es etwas besser geregelt. (Anm. d. Red.: Die Damen-Bundesliga startet bereits im Mai, während die Herren-Bundesliga erst nach Wimbledon im Juli losgeht.)

Trotz des stressigen Zeitplans: Warum entscheidest du dich immer wieder dazu, Bundesliga zu spielen?

Es ist ein Teamsport. Klar, du spielst in unterschiedlichen Teams, aber es sind immer die gleichen Jungs dabei, die ich schon lange kenne. Ich bin schon länger in Mannheim. Es ist einfach etwas anderes, als jede Woche für sich allein auf der Tour zu spielen. Es macht Spaß und ist eine gute Abwechslung – genau wie Davis Cup oder Olympia. Man kann zusammen abhängen, Dinge unternehmen und hat nicht ständig das Gefühl, dass man allein da draußen auf dem Platz ist.

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Gibt es dir auch Flashbacks an College-Zeiten?

Auf jeden Fall. College ist noch mal intensiver, weil du unter der Woche jeden Tag miteinander trainierst. In der Bundesliga sind es nur sechs oder sieben Spieltage, die du zusammen bist. Aber es hat ein bisschen was vom College. Es geht immer darum, dass das Team gewinnt. Egal, wer gewinnt, im Einzel oder im Doppel, man muss einfach Punkte holen. So war es im College auch. Es fiebern alle für die anderen mit und du schaust, dass du den Punkt fürs Team holst.

Wie ist jetzt dein Plan für die kommenden Wochen?

Ich versuche, in Marrakech zu spielen. Aber das weiß ich noch nicht hundertprozentig. In Monza und Oeiras werde ich ein paar Challenger spielen. Dann schaue ich, ob ich vielleicht in die Quali von Madrid oder Rom reinkomme, je nachdem, wie der Cut ist. Aber mal schauen, wie ich jetzt am Anfang spiele und wie es in den nächsten Wochen läuft.