Alexander Zverev Carlos Alcaraz ATP Finals

Das, was sich bereits in den vergangenen Wochen und Monaten auf der Herren-Tour angedeutet hatte, setzte sich nun auch beim Masters-1000-Turnier in Miami fort. Denn wirkliche Tennisgrößen, die es überall zu schlagen gilt, die nur so vor Dominanz und Selbstbewusstsein strotzen, scheint es aktuell nicht zu geben.

Ein kleiner Zeitsprung: Noch vor einigen Jahren waren es Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic, die die Herren-Tour nur so beherrschten. Beispielsweise das Jahr 2012: Damals holte Djokovic den Titel bei den Australian Open mit einem Sieg über Rafael Nadal im Endspiel. Nachdem Federer in Rotterdam, Dubai und Indian Wells erfolgreich war, folgte der zweite Saisontitel für Djokovic in Miami. Nadal dominierte dann die Sandplatzsaison mit Siegen in Monte-Carlo, Barcelona, Rom und in Roland Garros. Federer glänzte dann erneut in Wimbledon sowie in Cincinnati, während Djokovic in Toronto erfolgreich war. Der Einzige, der den Big 3 die Stirn bot, war Andy Murray. Der Schotte schnappte sich nämlich mit einem Fünfsatz-Sieg über Djokovic den Titel bei den US Open.

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Über Jahre hinweg dominierten Rafael Nadal, Roger Federer und Novak Djokovic die Herren-Tour. Auch Andy Murray konnte zwischenzeitlich mit den Leistungen der "Big 3" mithalten.

Über Jahre hinweg dominierten Rafael Nadal, Roger Federer und Novak Djokovic die Herren-Tour. Auch Andy Murray konnte zwischenzeitlich mit den Leistungen der "Big 3" mithalten. 

Wer dominiert die Herren-Tour?

Heute, knapp zwölf Jahre später, sind die Karten auf der Herren-Tour neu gemischt. Federer und Nadal haben mittlerweile ihre Karrieren beendet und Djokovic' Karriere scheint sich in den letzten Zügen zu befinden.

Stattdessen haben der aktuelle Weltranglisten-Erste Jannik Sinner sowie seine direkter Verfolger im Ranking Alexander Zverev und Carlos Alcaraz das Zepter übernommen. Doch ein genauer Blick auf die Turniere und die Leistungen der momentanen Top-3-Spieler verrät: So konstant sind sie gar nicht.

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Nach seinem Sieg bei den Australian Open im Januar 2025 durfte Jannik Sinner wegen seiner Dopingsperre kein Match mehr absolvieren.

Nach seinem Sieg bei den Australian Open im Januar 2025 durfte Jannik Sinner wegen seiner Dopingsperre kein Match mehr absolvieren. 

In Sinners Fall mag das momentan vor allem an seiner Dopingsperre liegen. Bis einschließlich zum 4. Mai 2025 darf der Südtiroler kein Match auf der Profi-Tour bestreiten. Noch zu Beginn seiner Sperre waren die Spekulationen groß, wann Zverev oder Alcaraz denn die Führung der Weltrangliste übernehmen könnten. Doch beide Verfolger Sinners glänzten in den vergangenen Wochen nicht gerade mit Top-Leistungen.

Nachdem nun bei den Miami Open 2025 bereits vor dem Abschluss der dritten Runde acht der aktuellen Top-15-Spieler bzw. die Hälfte der zehn top-gesetzten Profis ausgeschieden sind, entfachten sich einige Diskussionen in den Sozialen Medien über die Konstanz der aktuellen Top 20 der Weltrangliste.

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Bittere Niederlagen für die Indian-Wells-Halbfinalisten in Miami

Die treibende Kraft hinter dieser Diskussion war vor allem die Auftakt-Niederlage von Carlos Alcaraz gegen David Goffin in Miami. Noch in Indian Wells erreichte der junge Spanier das Halbfinale. Doch knapp eine Woche später ließ er sich der vierfache Grand-Slam-Champion von der Nummer 55 der Weltrangliste abfertigen. Natürlich muss man dazu sagen, dass Goffin als ehemaliger Top-Ten-Spieler allerdings keinesfalls zu unterschätzen ist.

Auch der Fakt, dass bereits alle Halbfinalisten aus Indian Wells – Turniersieger Jack Draper, Holger Rune, Daniil Medvedev und eben Alcaraz – bereits nach wenigen Spieltagen in Miami die Segel gestrichen haben, war ein weiteres Indiz für die Inkonstanz der Herren.

Dabei muss man aber auch betonen: Weder Draper noch Rune noch Medvedev glänzten vor dem ersten Teil des Sunshine-Doubles in Kalifornien mit Top-Leistungen. Viel mehr überraschte das Dreier-Gespann in Indian Wells und entfachte Hoffnungen auf weitere hochkarätige Auftritte in den kommenden Wochen.

Davon war aber in Miami nichts mehr zu sehen. Alle drei profitierten genau wie Alcaraz von einem Freilos in Runde eins. Während Draper aber dem Nachwuchstalent Jakub Mensik zum Auftakt unterlag, schieden Rune gegen Opelka und Medvedev gegen Jaume Munar bereits in ihrem ersten Match aus.

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In Indian Wells gewann Jack Draper seinen ersten Masters-Titel. Wenige Tage später schied der Brite in seinem ersten Match im Miami gegen Jakub Mensik aus.

In Indian Wells gewann Jack Draper seinen ersten Masters-Titel. Wenige Tage später schied der Brite in seinem ersten Match im Miami gegen Jakub Mensik aus.

Kommen Zverev und Djokovic in Miami in Form?

Ebenfalls enttäuschend lief die Saison nach den Australian Open 2025 für den Deutschen Alexander Zverev. Nach seiner Finalteilnahme in Melbourne steckte der 27-Jährige in einem Formtief, hatte aber auch mit zwei Lebensmittelvergiftungen und erschwerten Bedingungen zu kämpfen. In Indian Wells war dann einfach die Luft raus, als er nach seiner Auftakt-Niederlage gegen Tallon Griekspoor abreiste. Wie er im Zuge dessen auch zugab, verabschiedete er sich auch von dem Gedanken, die Führung der Weltrangliste in Sinners Abwesenheit zu übernehmen.

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Alexander Zverev ist glücklich, in Miami zu sein

Momentan scheint es noch so, als hätte ihm dieses Ziel etwas Druck gemacht. Denn seit seiner Ankunft in Miami, wo auch sein Lieblings-Team aus der NBA beheimatet ist, zeigt sich Zverev entspannt. Seine ersten zwei Matches absolvierte der gebürtige Hamburger ohne Satzverlust und zeigte seine bislang überzeugendste Leistung seit den Australian Open.

Auch Novak Djokovic, Taylor Fritz und Casper Ruud sind nach wie vor im Rennen um den zweiten Masters-Titel des Jahres – obwohl auch dieses Trio bislang nicht mit konstanten Leistungen überzeugte. Nach seiner Aufgabe im Halbfinale von Melbourne machte der Serbe eine Regenerationspause. Im Anschluss schien er weit entfernt von seinem üblichen Motivationslevel und kassierte bei allen folgenden Turnieren Auftakt-Niederlagen. Erst in Miami konnte er zwei Matches in Folge gewinnen.

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Sowohl Novak Djokovic als auch Alexander Zverev scheiterten früh in Indian Wells. In Miami präsentieren sie sich nun in besserer Form.

Sowohl Novak Djokovic als auch Alexander Zverev scheiterten früh in Indian Wells. In Miami präsentieren sie sich nun in besserer Form.

Gibt es aktuell überhaupt konstante Top-20-Spieler?

Dass Fritz aber der direkte Verfolger in der Weltrangliste von Sinner, Zverev und Alcaraz ist, scheint aktuell unvorstellbar. Lediglich in Delray Beach erreichte er mit einem Sieg ein Viertelfinale, sonst war bei allen weiteren Turnieren früher Schluss. Ähnliches gilt für Ruud, der in Dallas im Endspiel stand, sonst aber eine Klatsche nach der nächsten kassierte.

Auch wenn es sich bislang nicht richtig in der Weltranglisten-Position vom Vorschein kommt, scheinen Alex de Minaur und Tommy Paul die Spieler der konstanteren Sorte zu sein. Frühe Niederlagen sind bei ihnen eher selten. Genauso fehlen aber auch die großen Ausreißer nach oben.

Für die aktuellen Top-15-Spieler ist die Kritik vieler Experten und Tennisfans also vermutlich gerechtfertigt. Denn von Dominanz und konstanten Leistungen kann man bei Weitem nicht sprechen. Vielleicht ändert sich dieses Szenario aber wieder, sobald Sinner zurück auf die Tour kehrt.

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Aktuell belegt Alex de Minaur Platz elf der Herren-Weltrangliste. Zuletzt setzte er sich in einem unterhaltsamen Duell gegen Joao Fonseca bei den Miami Open durch, um in die dritte Runde einzuziehen.

Aktuell belegt Alex de Minaur Platz elf der Herren-Weltrangliste. Zuletzt setzte er sich in einem unterhaltsamen Duell gegen Joao Fonseca bei den Miami Open durch, um in die dritte Runde einzuziehen.

ATP-Tour: Große Chancen für Underdogs, Nachwuchstalente und Tour-Veteranen

Währenddessen versuchen die Spieler, die sonst weniger im Fokus stehen, ihre Chancen zu nutzen – eben genauso wie sie es in den ersten drei Monaten der Saison getan haben. Denn ein Blick auf die bisherigen Turniersieger im Jahr 2025 verrät: Es gibt eine Menge Variation und viele spannende Spieler, die man nicht unterschätzen sollte.

Nach einigen Verletzungsbeschwerden befinden sich nämlich beispielsweise die beiden Kanadier Felix Auger-Aliassime und Denis Shapovalov wieder auf dem aufsteigenden Ast. Ersterer ist übrigens der einzige Spieler 2025, der in dieser Saison zwei Titel gewinnen konnte.

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Die Turniersieger im Jahr 2025

Turnier/Kategorie

Sieger

250 Brisbane

Jiri Lehecka

250 Hong Kong

Alexandre Muller

250 Adelaide

Felix Auger-Aliassime

250 Auckland

Gael Monfils

Australian Open

Jannik Sinner

250 Montpellier

Felix Auger-Aliassime

500 Dallas

Denis Shapovalov

500 Rotterdam

Carlos Alcaraz

250 Delray Beach

Miomir Kecmanovic

250 Marseille

Ugo Humbert

250 Buenos Aires

Joao Fonseca

500 Qatar

Andrey Rublev

500 Rio de Janeiro

Sebastian Baez

500 Dubai

Stefanos Tsitsipas

500 Acapulco

Tomas Machac

250 Santiago

Laslo Djere

1000 Indian Wells

Jack Draper

1000 Miami

???

Durch die fehlende Konstanz der Topspieler bekommen aber auch Nachwuchstalente oder eben die Tour-Veteranen die ein oder andere Chance, die Spielerfelder aufzumischen. Das bewiesen unter anderem Joao Fonseca mit seinem ersten ATP-Titel in Buenos Aires oder Gael Monfils zu Beginn des Jahres in Auckland.

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Immer wieder mischt der 38-jährige Gael Monfils die ATP-Turniere mit seinem einzigartigen Spielstil auf.

Immer wieder mischt der 38-jährige Gael Monfils die ATP-Turniere mit seinem einzigartigen Spielstil auf.

Während also einige Tennisexperten und -Fans eine Dominanz wie von Federer, Nadal und Djokovic vermissen, freuen sich wiederum andere über die steigende Spannung und neue Gesichter, die das Spielgeschehen aufwirbeln. Ob das allerdings nur eine Momentaufnahme ist oder ob bald wieder Ordnung in das Chaos einkehrt, kann vermutlich ab Mai der Weltranglisten-Erste Jannik Sinner beeinflussen. Denn so viel steht fest: Auch wenn der Südtiroler aktuell gesperrt ist, scheint er einer der großen Gewinner der fehlenden Konstanz seiner Mitstreiter zu sein.